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Lesen Lehren

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Inhalt des Bandes:

Vorwort (Ada Sasse und Renate Valtin)

Theoretische Modelle und empirische Befunde
Textdetektive lesen strategisch (Andreas Gold)
Strategieorientiertes  Unterrichten (Katja Rühl)
Dimensionen der Lesekompetenz analysieren und fördern (Gerheid Scheerer-Neumann und Carola D. Hofmann)
Förderung der Lesekompetenz durch Verbesserung der Lesestrategien (Isolde Badel und Renate Valtin)
Bildlichkeit beim Lesenlernen (Barbara Bütow)
Kompetenzen und Klassenarbeiten im Mathematikunterricht (Insa Mayer)

hrsg. von Ada Sasse und Renate Valtin

Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben, Berlin 2005

Gesamtausstattung: Dr. Helmuth Krieg, Frankfurt a.M.
Printed in Germany, ISBN 3-9809663-1-3

Der Band kostet 12,50 EUR + 1,50 EUR Portokosten. Online zu bestellen unten auf dieser Seite!

Projekte für die Praxis
Lesen und Schreiben im Internet (Johannes König)
Problemlösen - Lesen(Lernen) am Computer (Mechthild Dehn)
Die Bildungsoffensive der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg (Katrin Seewald und Ulrike Lenz)
Kreativer Umgang mit Büchern (Nikola Kiwitt)
Leseförderung in der Familie (Nele McElvany, Cordula Artelt, Sintje Holler)
Die Welt der Buchstaben - ein Thema für alle Kinder (Barbara Sengelhoff)

Lesen vor / nach PISA und IGLU
Kenntnis und Reflexion der IGLU-Studie bei Deutschlehrerinnen und -lehrern der Primarstufe (Konstantin von Senden)
Baustein Lesekompetenz - Ein Ausbildungskonzept für die zweite Phase der Lehrerausbildung (Erika Altenburg)
Die "Pisa-Leselupe" der Initiative "Länger gemeinsam lernen"
Schrift und Bücher sind für alle da (Ada Sasse und Andreas Schröder)

Bestellungen per "gelber Post" an:
Dr. Bernhard Hofmann, Uhlandstr. 30, 89195 Staig, Telefax (0 73 46) 81 38

Zur Information hier das Vorwort des Bandes, verfasst von Prof. Dr. Ada Sasse und Prof. Dr. Renate Valtin:

Das Feuer in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek hat die Öffentlichkeit im Herbst letzten Jahres erschüttert. Tausende Bücher verbrannten oder wurden schwer beschädigt. Noch immer streiten sich die Experten darüber, wie viele dieser Bücher unersetzbar sind. Unstrittig ist jedoch, dass gleichzeitig mit der Bibliothek und den Büchern ein kulturelles Erbe in seiner Substanz zerstört wurde. Effiziente Hilfe setzte schnell ein: Öffentliche Mittel, Spenden von Privatpersonen und Institutionen unterstützen den Wiederaufbau des Gebäudes, die Restaurierung und den Ankauf von Büchern. Ein Termin zur Wiedereröffnung steht bereits fest.

Die Überlieferung kulturellen Erbes an nachfolgende Generationen hat die Erhaltung von materiellen Sachwerten zur Voraussetzung, als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Denn: Die erhaltenen, geretteten und wieder beschafften Bücher brauchen auch kompetente Leserinnen und Leser, damit die in den Bänden der Bibliothek aufgehobenen Ideen in das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft integriert werden können. Lesen ermöglicht eine über Zeit und Raum hinweg reichende Auseinandersetzung mit Themen und Ideen früherer Jahrhunderte, ist jedoch auf das Vorhandensein ausreichender Lesekompetenz, auf umfassendes Weltwissen sowie auf die intellektuelle Neugier der potentiellen Leserinnen und Leser angewiesen. Wie es gegenwärtig um die Lesekompetenz bei Jugendlichen bestellt ist, kann in den PISA-Studien nachgelesen werden. Knapp ein Viertel aller 15-Jährigen in Deutschland verfügen über prekäre Lesekompetenzen. Und mehr als vierzig Prozent der 15-Jährigen lesen nicht aus freien Stücken und zum Vergnügen. Dies sind keine guten Voraussetzungen für die Entwicklung von Weltwissen und intellektueller Neugier.

Während die Flammen in der Anna-Amalia-Bibliothek längst gelöscht sind, »brennt« es an anderer Stelle weiter. Nach Veröffentlichung der ersten PISA-Daten im Jahr 2001 wurden die unzureichenden Leseleistungen deutscher Jugendlicher und auch die starke Abhängigkeit der Lesekompetenz von der sozialen Herkunft schnell zu einem öffentlichen Thema. Zahlreiche Vermutungen über die Ursachen kursierten und verschiedenste Versuche der Schadensbegrenzung wurden gestartet. Heute, mehr als drei Jahre später, ist jedoch zu konstatieren, dass weiterhin probiert wird, den »Flächenbrand« mit unzureichenden und schlecht aufeinander abgestimmten Mitteln unter Kontrolle zu bringen. Obwohl immer mehr Kinder von Armut betroffen werden, sind bisher keine durchgreifenden Maßnahmen zur schulischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Milieus ergriffen worden. Und statt Bildungsgerechtigkeit durch eine Schule für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, besteht das - weltweit fast einzigartige - viergliedrige Schulsystem in Deutschland fort. Um im Bild zu bleiben: Es ist, als würde man die Weimarer Bibliothek gerade so weit rekonstruieren, dass der desolate Zustand vor Ausbruch des Brandes wieder hergestellt wird.

Damit es auch in Zukunft Leserinnen und Leser für anspruchsvolle Lektüre gibt, die ihnen die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht, sind neben bildungspolitischen Grundsatzentscheidungen auch theoretische Konzepte und praxisbezogene Modelle zur Unterstützung der Lesekompetenz innerhalb und außerhalb von Schule und Unterricht erforderlich.

In den »Zehn Rechten der Kinder auf Lesen und Schreiben«, veröffentlicht im Band 1 der »Beiträge« hat die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben darauf verwiesen, dass gesamtgesellschaftliche Anstrengungen nötig sind, um Kindern und Jugendlichen zu ihrem Recht auf Erwerb der Lesekompetenz zu verhelfen. Recht neun besagt:

Kinder haben das Recht
auf Unterstützung im Lesen und Schreiben,
wobei sich Eltern und öffentliche Institutionen
verantwortlich beteiligen sollen.

Zu diesem Thema liegen empirische Untersuchungen aus mehreren Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie praktische Erfahrungen aus unterschiedlichen Bildungsinstitutionen vor. Um diese Modelle und Praxiskonzepte zu bündeln und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, richtete die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben ihre jährliche Fortbildungstagung im September 2004 an der Berliner Humboldt-Universität zum Thema »Lesekompetenz stärken - Lesestrategien fördern« aus, an der über 250 Personen teilnahmen.

Der vorliegende Band 2 der Reihe »Beiträge« der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben enthält die Referate und Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Sie lassen sich drei Themenfeldern zuordnen.

Eine erste Gruppe von Beiträgen bezieht sich auf Theoretische Modelle und empirische Befunde zur Entwicklung und Förderung von Lesekompetenzen und Lesestrategien. Andreas Gold berichtet, wie Kinder zu Textdetektiven ausgebildet werden können; Katja Rühl beschreibt, wie Lesekompetenzen durch einen strategieorientierten Deutschunterricht gestärkt werden. Gerheid Scheerer-Neumann und Carola D. Hofmann stellen Formen des Lesetrainings dar und diskutieren, welche Effekte Lesetrainings haben können. Isolde Badel und Renate Valtin zeigen auf, wie durch die Verbesserung von Lesestrategien die Lesekompetenz gefördert werden kann. Barbara Bütow fragt danach, inwiefern Bilder als Kontext zum besseren Textverständnis herangezogen werden können. Insa Mayer macht schließlich auf den Zusammenhang zwischen mathematischem und (schrift-)sprachlichen Lernen aufmerksam.

Eine zweite Gruppe von Beiträgen widmet sich einschlägigen Projekten für die Praxis. Johannes König diskutiert exemplarisch, wie Lese- und Schreibkompetenzen durch Internetpräsentationen gefördert werden können. Hieran schließt der Beitrag von Mechthild Dehn zum Problemlösen beim Lesenlernen mit Hilfe des Computers sachlogisch an. Katrin Seewald und Ulrike Lenz zeigen, welche Bildungserfahrungen für Schüler/innen aller Altergruppen durch die Kooperation von Schule und Bibliothek möglich werden. Anschließend diskutiert Nikola Kiwitt, wie der kreative Umgang mit Büchern dazu beitragen kann, dass Kinder einen Zugang zur Lesekultur gewinnen. Neben der Schule bleibt die Familie ein bedeutsamer Ort zur Entwicklung der individuellen Lesebiographie. Nele McElvany, Cordula Artelt und Sintje Holler beschreiben das Berliner Eltern-Kind-Leseprogramm als Möglichkeit der familienbezogenen Unterstützung. Barbara Sengelhoff geht schließlich auf die entwicklungsfördernden Aspekte des schriftsprachlichen Lernens in altersheterogenen Gruppen ein.

Weitere Beiträge nehmen konzeptionelle Überlegungen sowie praktische Modelle zu Lesen vor/nach PISA und IGLU in den Blick. Konstantin von Senden hat untersucht, welches Wissen Berliner Lehrerinnen und Lehrer über die IGLU-Studie haben und welche Konsequenzen sie für ihre pädagogische Alltagspraxis aus den IGLU-Ergebnissen ziehen. Erika Altenburg stellt einen »Baustein Lesekompetenz« für die zweite Phase der Lehrerbildung vor. Die »PISA-Lupe« ist eine Initiative verschiedener Verbände, denen
sich auch die DGLS angeschlossen hat, mit dem Ziel, an den Schulen das »finnische Denken« zu fördern. Ada Sasse und Andreas Schröder stellen abschließend mit der Kinderdruckwerkstatt Halle eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit vor, in der Vorschulkinder und Schüler aller Altersstufen und Schularten einen eigenen Zugang zu Schriftkultur im weitesten Sinne entdecken können. Ausgewählte Arbeitsergebnisse von sechs- bis sechzehnjährigen Schülerinnen und Schülern finden Sie zwischen den einzelnen Beiträgen.

Der vorliegende Band verdeutlicht, dass die Unterstützung von Lesekompetenzen und die Förderung von Lesestrategien komplexe Prozesse sind, an denen sich schulische und außerschulische Institutionen beteiligen müssen. Zudem ist die pädagogische Praxis, aber auch die wissenschaftliche Theoriebildung weiterhin auf den Dialog zwischen Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft angewiesen. Fachtagungen können diesen Dialog wirkungsvoll unterstützen. Besonderer Dank gebührt daher dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, das sowohl die Ausrichtung der Tagung als auch die Herausgabe der Tagungsdokumentation finanziell großzügig unterstützt hat.

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