Wie gut haben es Kinder in Deutschland bei der Verwirklichung ihrer Rechte auf schriftsprachliche Bildung? Dieser Frage geht Renate Valtin nach unter Verwendung der Daten von IGLU und PISA.

 

Wie gut haben es Kinder in Deutschland bei der Verwirklichung ihrer Rechte auf schriftsprachliche Bildung?
Die UN-Kinderrechtskonvention, die seit 1992 auch in Deutschland gilt, bescheinigt jedem Kind ein Recht auf Bildung. Renate Valtin, Professorin an der Humboldt Universität zu Berlin, hat unter Verwendung der Daten von PISA und IGLU untersucht, wie gut es Kinder in Deutschland bei der Verwirklichung dieser Rechte haben, wenn sie lesen und schreiben lernen. Der UNESCO-Report „Bildung für das 21. Jahrhundert“ nennt vier Säulen der Bildung: lernen zu wissen, lernen zu handeln, lernen zusammen zu leben und lernen zu sein. Auf der Grundlage dieser vier Säulen der Bildung wurden die folgenden Rechte formuliert:

1)Kinder haben das Recht auf elterliche Unterstützung beim Schriftspracherwerb.

2)Kinder haben das Recht, vorschulische Einrichtungen zu besuchen.

3)Kinder haben das Recht auf eine gute materielle Ausstattung der Schule.

4)Kinder haben das Recht auf einen Unterricht, der auf ihre individuellen Bedürfnisse eingeht.

5)Kinder haben das Recht auf Unterstützung durch die Lehrpersonen.

6)Kinder mit Leseschwierigkeiten haben das Recht auf eine intensive Förderung durch Experten.

7)Kinder haben das Recht auf Chancengleichheit, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrer
Nationalität.

8)Kinder haben das Recht auf günstige Bedingungen in der Schule, damit sie lernen, in Harmonie und Frieden miteinander zu leben.

9)Kinder haben das Recht, positive Lese-Selbstbilder zu entwickeln, und zu lernen, Lesen für ihre Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen.

Anhand der Datensätze von IGLU und PIRLS wurden Merkmale (Indikatoren) bestimmt, die Aufschluss darüber geben, wie es mit der Verwirklichung dieser Rechte der Kinder in Deutschland bestellt ist. Bei all diesen Merkmalen – so das Ergebnis der Studie - hatte Deutschland wesentlich schlechtere Werte als die bei IGLU und PISA erfolgreichen Länder (s. Tabellen im Anhang) und lag manchmal sogar unter dem internationalen Mittelwert.
Fazit: Im europäischen Vergleich sind die Lernbedingungen für den Schriftspracherwerb und damit die Realisierung der Rechte auf schriftsprachliche Bildung in Deutschland nicht günstig. Dies gilt für:


    • den häuslichen Bereich: „kulturelles Kapital“ der Familie, Anregung und Förderung
    • den vorschulischen Bereich: Mangel an Bildungseinrichtungen
    • den schulischen Bereich: schlechte Ausstattung (Schulbibliotheken, Computer),
      Fehlen von zusätzlichen Experten, mangelnde Unterstützung durch Lehrkräfte,
      wenig differenzierter Unterricht, Verletzung der Chancengleichheit.

Der UNESCO- Report „Bildung für das 21. Jahrhundert“ stellt fest: “Bildung ist auch ein Ausdruck der Zuneigung für Kinder und Jugendliche, die wir in unserer Gesellschaft willkommen heißen sollen, indem wir ihnen vorbehaltlos einen Platz anbieten, der ihnen rechtmäßig zusteht”. Deutschland – so muss man folgern – bietet Kindern keinen warmherzigen Empfang in der Gesellschaft.


Die Ergebnisse dieser Analyse können hier heruntergeladen werden.

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